Ausdrucksvermögen: Auf der Suche nach verlorenen Sprachschätzen
Wüssten sie etwas mit einem „Zwiebelfisch“ anzufangen? Oder „Gabelfrühstück“? Und wann ist Ihnen zum letzten Mal so ein richtiger „Himbeertoni“ begegnet?
Diese Begriffe stehen auf der Roten Liste der bedrohten Wörter. Diese Liste versammelt rund 600 Wörter, die drohen in Vergessenheit zu geraten. Vielleicht weil sie Modewörter waren, wie „urst“ oder „knorke“. Manche tauchen einfach nicht mehr in unserem Alltag auf, da der technische Fortschritt sie ihrer Funktion beraubt hat. Dazu gehören Worte wie „Bandsalat“ oder „Wählscheibe“. Andere wiederum sind schlichtweg verdrängt oder ersetzt wurden. Beim besagten „Gabelfrühstück“ beispielsweise handelt es sich um den neudeutschen Brunch.
Nicht jeder hat den gleichen Wortschatz
Goethe verfügte angeblich über ein Vokabular von 90 000 Wörtern. In Anbetracht dessen wird jeder Germanist blass vor Neid, denn der durchschnittliche Deutsche kann nur auf einen Wortschatz von 75 000 Wörtern zurückgreifen – wobei mit steigendem Bildungsgrad tendenziell auch das Ausdrucksvermögen zunimmt. Insgesamt wird der deutsche Wortschatz je nach Quelle und Art der Zählung auf bis zu 500 000 Wörtern geschätzt.
Auch das Ausdrucksvermögen kann man trainieren
Aber keine Angst, selbst wenn Sie nicht wussten, dass man unter einem Himbeertoni einen begriffstutzigen Zeitgenossen versteht: Es gibt zahlreiche Möglichkeiten den Wortschatz bewusst zu erweitern. Grundsätzlich ist ein hohes sprachliches Interesse von Vorteil. Wer viel liest und schreibt, trainiert auch unbewusst seine Präzision und Vielfalt im Ausdruck. Versuchen Sie, immer wieder Antonyme und Synonyme zu finden. Neue Begriffe kann man außerdem in Fachliteratur aus möglichst verschiedenen Themengebieten auflesen. Spiele wie Scrabble oder Kreuzworträtsel tragen ebenfalls zur Erweiterung des Ausdrucksvermögen bei. Nicht zuletzt gilt es: Neugierig bleiben! Hinterfragen Sie Worte, die Sie nicht verstehen, oder schlagen Sie deren Bedeutung im Lexikon nach.
Zur Auflösung: Der Zwiebelfisch ist ein Buchstabe innerhalb eines Textes, der in einer anderen Schrift oder anderen Stärke gedruckt ist, zum Beispiel ein fettes A in ansonsten normaler Stärke gedrucktem Text.